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PIM und PXM

PXM und regulatorische Compliance

Lesezeit: 20 Min.

Wie PXM-Lösungen helfen, die Anforderungen des EU-Produktpasses (DPP) zu erfüllen und Produktdaten wirksam zu verwalten.

Auf dieser Seite 7 Abschnitte

PXM und regulatorische Compliance: So erfüllen Sie die Anforderungen des Digitalen Produktpasses der EU und bleiben wettbewerbsfähig

Einleitung

Product Experience Management (PXM) ist ein Ansatz und ein Set von Werkzeugen, das das Management von Produktinformationen im Hinblick auf EU-Vorschriften spürbar unterstützt, einschließlich der Umsetzung des Digitalen Produktpasses (DPP). Mit PXM verwalten Sie Produktdaten und Inhalte zentral und sorgen für ein einheitliches, attraktives Kundenerlebnis in allen Vertriebskanälen. PXM verbindet die Funktionen von Systemen wie Product Information Management (PIM), Digital Asset Management (DAM) und Master Data Management (MDM). So lassen sich Daten passend zum Kontext und zu den Anforderungen des DPP erfassen, anreichern und verteilen. Mit PXM erfüllen Unternehmen die Anforderungen des Digitalen Produktpasses leichter und liefern aktuelle, konforme Produktinhalte. Das unterstützt die Nachhaltigkeit und stärkt das Vertrauen der Kunden.

Der Digitale Produktpass (DPP) der EU ist ein zentraler Bestandteil der neuen regulatorischen Anforderungen der Europäischen Union im Rahmen des European Green Deal und der ESPR-Verordnung. Ziel des DPP ist die vollständige Einhaltung der EU-Vorschriften zur Produkttransparenz. Ab 2026 muss fast jedes physische Produkt, das in der EU verkauft wird, einen digitalen Pass haben: einen elektronischen Datensatz mit Angaben zu Herkunft, Zusammensetzung, Umweltwirkung und Nachhaltigkeitsmerkmalen des Produkts. Dieser Pass, zum Beispiel über einen QR-Code abrufbar, bietet Zugang zu vollständigen Informationen gemäß Digitalem Produktpass über den gesamten Produktlebenszyklus, von den Rohstoffen bis zum Recycling. Das Instrument soll Greenwashing verhindern und eine PXM-Strategie mit Fokus auf transparente Lieferketten und Kreislaufwirtschaft unterstützen.

Das Thema Digitaler Produktpass (DPP) wird für Unternehmen, die in der Europäischen Union verkaufen, entscheidend, weil die Einhaltung der EU-Vorschriften zum DPP zur Voraussetzung für die Marktpräsenz wird. Die Vorschriften wurden 2023 vereinbart. Die ersten Pflichten gelten bereits ab 2026 und erfassen bis 2030 schrittweise fast alle Branchen. Unternehmen in der EU und Unternehmen außerhalb der EU, die nach Europa exportieren, müssen sich schnell auf die DPP-Anforderungen vorbereiten. Dabei ist die Einführung einer PXM-Strategie und von PIM-, DAM- und MDM-Systemen nicht nur eine Antwort auf regulatorische Herausforderungen, sondern auch ein Werkzeug für effizienteres Produktinformationsmanagement. Für Geschäftsführung, Produktmarketing, Compliance und IT ist das zugleich eine Chance, sich durch automatisierte, DPP-konforme Produktdaten, mehr Transparenz und Unterstützung der nachhaltigen Entwicklung einen Marktvorteil zu sichern.

Anforderungen des Digitalen Produktpasses der EU

Der Digitale Produktpass (DPP) legt fest, welche Informationen jedes Unternehmen erfassen und bereitstellen muss, das Produkte in der EU verkaufen will, um die Anforderungen des Digitalen Produktpasses zu erfüllen.

Zu diesen Daten gehören unter anderem:

  • Herkunft und Identifikation des Produkts (Produktionsort, Hersteller, Rohstoffquellen, Kennung)
  • Materialzusammensetzung (einschließlich Angaben zu gefährlichen Stoffen und Recyclingmaterialien)
  • Umweltwirkung (CO₂-Emissionen, Ressourcenverbrauch)
  • Dokumentation und Konformität mit EU-Normen
  • Kreislaufmerkmale (Reparierbarkeit, Demontage)
  • Daten zu Entsorgung und Recycling

Diese Pflicht betrifft fast alle Branchen: zuerst Sektoren mit hoher Umweltwirkung, bis 2030 alle Produkte auf dem EU-Markt. Unternehmen, die den DPP nicht erfüllen, dürfen in der EU nicht mehr legal verkaufen. Um das zu verhindern, braucht es eine PXM-Strategie und Systeme für das Produktinformationsmanagement wie PIM, DAM und MDM, um Produktdaten DPP-konform zu zentralisieren und zu automatisieren.

Wie PXM hilft, die DPP-Anforderungen zu erfüllen

Mit digitalen Produktpässen müssen enorme Mengen an Produktdaten verarbeitet und verschiedenen Beteiligten (Verbrauchern, Behörden, Geschäftspartnern) standardisiert und leicht zugänglich bereitgestellt werden. Für viele Unternehmen ist das ein Quantensprung gegenüber dem bisherigen Umgang mit Produktinformationen, die oft über Abteilungen und Systeme verstreut sind (z. B. technische Daten im ERP, Marketingdaten in Excel-Tabellen oder im CMS, Zertifikate als PDF auf dem Fileserver usw.). Product Experience Management (PXM) bietet Werkzeuge, die die Erfüllung der DPP-Anforderungen deutlich erleichtern, indem sie das Management von Produktdaten zentralisieren, strukturieren und automatisieren. So helfen einzelne PXM-Technologien Ihrem Unternehmen, Compliance zu erreichen:

  • PIM (Product Information Management): Product Information Management ist die Grundlage von PXM und ein zentrales Werkzeug für den DPP. Das PIM ist ein zentrales Repository für alle Produktdaten und dient als „Single Source of Truth“ für ein Produkt. Alle Informationen, von technischen Spezifikationen über Logistikdaten bis zu Marketingtexten, liegen an einem Ort. Verstreute Daten und widersprüchliche Versionen gehören damit der Vergangenheit an. Für den DPP können Sie im PIM alle Pflichtfelder des digitalen Passes (z. B. Inhaltsstoffe, Umweltparameter, Zertifikate) definieren und je SKU speichern. Wichtig: Ein gutes PIM-System prüft die Vollständigkeit der Daten. Lücken in Pflichtattributen werden automatisch erkannt und für die Nutzer markiert. So stellt das Unternehmen sicher, dass für jedes Produkt alle gesetzlich geforderten Informationen vorliegen. Fehlt etwas (z. B. der Recyclinganteil), weist das System darauf hin. Das PIM sichert außerdem Qualität und Konsistenz der Daten. Es erzwingt einheitliche Formate (z. B. Maßeinheiten, Format des Produktionsdatums), was für die Standardisierung der Daten für Produktpässe wichtig ist. Zudem erleichtert ein zentrales PIM die laufende Aktualisierung der Daten: Ändert sich die Zusammensetzung eines Produkts oder verlangen neue Vorschriften zusätzliche Daten, wird die Information einmal im System aktualisiert und automatisch in alle Kanäle übernommen, die diese Daten nutzen. Experten betonen: Die wichtigste Aufgabe bei der Einführung des DPP ist die Wahl des Ortes, an dem die Daten gesammelt werden. Es lohnt sich, ein modernes PIM-System für das Management von Produktinformationen einzuführen. Es schafft den passenden organisatorischen und technischen Rahmen für digitale Produktpässe.
  • DAM (Digital Asset Management) spielt eine zentrale Rolle, um die Anforderungen des DPP an Dokumentation und visuelle Materialien zu erfüllen. Beim DPP geht es nicht nur um Zahlen, sondern auch um die Pflicht, Bedienungsanleitungen, Konformitätserklärungen, Sicherheitsdatenblätter und Produktfotos bereitzustellen. Durch die Integration von DAM und PIM im Rahmen der PXM-Strategie verwalten Unternehmen alle digitalen Assets eines Produkts zentral. Das System verknüpft Dateien mit einer bestimmten SKU und steuert Versionen und Verfügbarkeit. So sind zum Beispiel die aktuelle Anleitung oder das Umweltzertifikat für Verbraucher oder Prüfer immer abrufbar. Ein Digitaler Produktpass mit vollständigen Daten und Dokumenten aus dem DAM sichert die Einhaltung der EU-Vorschriften und einen bequemen Zugang zu Informationen, für Endnutzer ebenso wie für Partner in der Lieferkette.
  • MDM (Master Data Management): Die Anforderungen gehen oft über typische Produktdaten hinaus, etwa zu Angaben über Rohstofflieferanten, Daten aus der Lieferkette oder dem CO₂-Fußabdruck der Produktion. Ein Teil dieser Informationen stammt aus verschiedenen internen Systemen (ERP, Einkaufs- und Liefersysteme, PLM für das Produktlebenszyklusmanagement) oder von externen Partnern. MDM-Lösungen integrieren und synchronisieren Daten aus vielen Quellen und sichern ihre Konsistenz. Im PXM-Kontext kann MDM Daten aus dem Finanzsystem (z. B. Herkunftsland von Komponenten oder Chargennummer des Lieferanten) mit Daten im PIM verknüpfen. So zeigt der Pass ein vollständiges Bild des Produkts vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt. Wechselt zum Beispiel der Lieferant einer Komponente zu einem anderen mit anderem Umweltzertifikat, genügt dank MDM eine Aktualisierung an einer Stelle (in den Stammdaten). Sie wird automatisch auf alle verbundenen Produkte und ihre Pässe übertragen.
  • Integrationen und Datenschnittstellen: PXM-Technologie ist offen für Integrationen (APIs, Konnektoren). Das kann bei der Einführung des DPP entscheidend sein, denn Unternehmen müssen mit dem zentralen EU-Register für den DPP kommunizieren und Passdaten über scanbare Codes bereitstellen. Moderne PIM- und PXM-Systeme bieten APIs und Module für die automatische Distribution von Produktdaten in verschiedene Kanäle. Bisher dienten sie etwa dazu, Beschreibungen an Marktplätze oder Websites zu syndizieren. Jetzt können sie das DPP-Register versorgen. Zum Beispiel kann das System nach dem Anlegen eines Produktpasses im PIM einen QR-Code erzeugen und in das Etikettendesign einbinden. Beim Scannen ruft die App oder das Smartphone die Informationen per API aus dem PIM-System oder der DPP-Datenbank ab. Wichtig ist, dass gute PXM-Tools die Standards für den Datenaustausch einhalten: Viele unterstützen zum Beispiel JSON- und CSV-Formate gemäß den regulatorischen Anforderungen oder lassen sich mit GS1-Systemen integrieren. Das erleichtert die Standardisierung des Informationsaustauschs im DPP. Anders gesagt: PXM kann zur „Dateninfrastruktur“ werden, die die interne Datenwelt eines Unternehmens nahtlos und automatisiert mit dem externen DPP-Ökosystem verbindet.

In der Praxis wird PXM-Technologie bereits genutzt, um die DPP-Anforderungen zu erfüllen. Unternehmen mit fortgeschrittenen PIM-Systemen stellen fest, dass diese Lösungen die DPP-Compliance vereinfachen und zugleich die Transparenz und Rückverfolgbarkeit der Produktdaten in der gesamten Lieferkette erhöhen. Ein Hersteller von Holzprodukten etwa ersetzte ein begrenztes, dezentrales Datenmanagement durch eine moderne PIM-Plattform im SaaS-Modell. Das Ergebnis: eine integrierte Datenquelle für alle Vertriebskanäle, die die Anpassung der Produktinformationen an die DPP-Anforderungen deutlich vereinfachte (Daten werden einmal erfasst und mehrfach genutzt). Durch die Integration aller Daten wurden zudem Informationen auf der Website und in Katalogen automatisch aktualisiert, sobald sich Daten im PIM änderten. Das ersparte manuelle, zeitraubende Korrekturen und senkte das Fehlerrisiko. Die PIM-Einführung verbesserte auch die Zusammenarbeit der Teams: Qualität, Nachhaltigkeit, Marketing und IT arbeiten mit demselben Datensatz und klar verteilten Zuständigkeiten für Ergänzung und Prüfung. Das steigerte die Effizienz der Organisation und ihre Bereitschaft für neue regulatorische Anforderungen. Moderne PXM-Plattformen unterstützen zudem immer öfter die Überwachung von Umweltkennzahlen (z. B. CO₂-Fußabdruck je Produkt) und erstellen Berichte für interne Nachhaltigkeitsanalysen. Eine Investition in PXM hilft also nicht nur, die formalen DPP-Anforderungen zu erfüllen, sondern gibt dem Unternehmen auch Werkzeuge, um die Umweltwirkung seiner Produkte besser zu steuern.

Kurz gesagt: PXM-Technologien, vor allem PIM-Systeme mit DAM- und MDM-Integration, sind eine natürliche Stütze für die Umsetzung des Digitalen Produktpasses der EU. Sie sammeln alle nötigen Daten an einem Ort, prüfen Qualität und Vollständigkeit und verteilen die Informationen dann einfach im Format des digitalen Passes. In einer Welt, in der Compliance die Weitergabe von Produktdaten in nie dagewesenem Umfang verlangt, sind Unternehmen mit einer leistungsfähigen PXM-Infrastruktur einen Schritt voraus: Sie erfüllen neue Pflichten effizienter und günstiger.

Geschäftliche Vorteile einer PXM-Strategie, die die DPP-Anforderungen einbezieht

Die Erfüllung der Anforderungen des Digitalen Produktpasses muss keine reine, teure Pflicht sein. Ein strategischer Ansatz, der die DPP-Anforderungen in eine umfassendere Product-Experience-Management-Strategie einbettet, kann einem Unternehmen eine Reihe greifbarer geschäftlicher Vorteile bringen. Wer die DPP-Einführung als Anlass nutzt, das Produktinformationsmanagement zu verbessern, vermeidet nicht nur Sanktionen. Er verbessert auch interne Prozesse, stärkt das Vertrauen der Kunden und festigt seine Wettbewerbsposition auf dem europäischen Markt. Die wichtigsten Vorteile der Verbindung von PXM-Strategie und DPP-Umsetzung:

  • Optimierte Prozesse und operative Effizienz: PXM im Kontext des DPP zwingt dazu, genau hinzusehen, wie Produktdaten im Unternehmen erfasst, geprüft und geteilt werden. Werden diese Prozesse geordnet (z. B. Daten im PIM zentralisiert, Aktualisierungen automatisiert), steigt die Effizienz deutlich. Mitarbeitende verbringen weniger Zeit mit der Suche nach Informationen an verschiedenen Stellen oder dem Abtippen von Daten in Tabellen und mehr Zeit mit ihrer Analyse und Nutzung. Beispiele aus Unternehmen zeigen: Zentrale Produktdaten und automatisierte Veröffentlichung (z. B. in Onlineshops) reduzieren aufwendige Verwaltungsarbeit und verkürzen die Time-to-Market neuer Produkte. Zudem ermöglichen PIM-Systeme oft mehr Automatisierung bei der Anreicherung von Produktdaten über Geschäftsregeln oder Integrationen. Statt dieselbe Information an mehreren Stellen von Hand einzugeben, erfassen wir sie einmal, und das System übernimmt sie überall dorthin, wo sie gebraucht wird. All das spart Ressourcen (Personal und Zeit) und senkt die Betriebskosten im Produktinformationsmanagement.
  • Bessere Datenqualität und geringeres Fehlerrisiko: Wer die PXM-Strategie mit dem DPP verbindet, muss hohe Standards für die Datenqualität setzen. Schließlich sind diese Daten öffentlich zugänglich und werden von Behörden geprüft. Investitionen in Mechanismen zur Kontrolle der Datenqualität (Validierungen im PIM, Freigabe-Workflows, interne Audits) erhöhen insgesamt die Verlässlichkeit der Produktinformationen im Unternehmen. Bessere Datenqualität bedeutet weniger Fehler in Beschreibungen, Spezifikationen oder Etiketten. Das verringert direkt teure Geschäftsfehler, etwa ein Produkt mit falsch angegebenem Inhaltsstoff oder Parameter auf den Markt zu bringen, was einen Chargenrückruf nach sich ziehen kann. Zudem erhöhen genauere und umfassendere Produktdaten die Kundenzufriedenheit, weil Kunden verlässliche Beschreibungen erhalten und bewusster entscheiden können. Ein Unternehmen, das dank PIM die Vollständigkeit und Transparenz seiner Produktinformationen verbessert hat, verzeichnete sogar 30% weniger Retouren, weil Kunden seltener vom Erhaltenen enttäuscht waren (das Produkt entsprach besser den Erwartungen aus der Beschreibung). Weniger Retouren bedeuten messbare Einsparungen (weniger Logistik- und Verwaltungsaufwand) und zusätzlich Vorteile für die Umwelt, weil der Rücktransport weniger CO₂-Emissionen verursacht.
  • Mehr Transparenz und Kundenvertrauen: Ein Hauptziel des DPP ist es, Verbrauchern Zugang zu verlässlichen Informationen über Produkte zu geben. Das soll ihr Vertrauen und ihre Fähigkeit zu bewussten Entscheidungen stärken. Ein Unternehmen, das diese Anforderungen nicht nur erfüllt, sondern seine Transparenz aktiv kommuniziert (z. B. durch umfangreiche Passdaten auf der Produktseite im Onlineshop), kann bei Verbrauchern mit ökologischen und ethischen Werten punkten. Detaillierte Angaben zu Herkunft, Materialien oder Recyclingfähigkeit eines Produkts prägen das Bild einer verantwortungsvollen, verlässlichen Marke. Mehr Vertrauen führt zu mehr Loyalität: Verbraucher kaufen eher bei einer Marke, die „nichts zu verbergen hat“. Studien zeigen, dass der DPP zu einem Werkzeug für Wettbewerbsvorteile im Bereich Nachhaltigkeit werden kann, das den Markenwert steigert und von der Konkurrenz abhebt. Anders gesagt: Die Erfüllung der DPP-Anforderungen ist für Marketing und PR eine Chance, sich als Vorreiter für Transparenz zu zeigen, ein Trend, der in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnt.
  • Compliance als Wettbewerbsvorteil: In den kommenden Jahren wird die Einhaltung des DPP zur Voraussetzung für den Wettbewerb auf dem EU-Markt. Unternehmen, die ihn nicht erfüllen, können ihre Produkte in Europa schlicht nicht verkaufen. Kurzfristig, bevor die Vorschriften vollständig gelten, kann frühe Bereitschaft jedoch ein Vorteil sein. Ein Unternehmen, das PXM bereits eingeführt hat und die DPP-Anforderungen erfüllt, kann Partnern und Kunden sagen: „Wir sind vorbereitet, unsere Produkte erfüllen die kommenden Standards“. Das zeugt von Professionalität und Verantwortung und kann Auftraggeber anziehen, die verlässliche Lieferanten suchen. Gerade große Handelsketten arbeiten zur Risikovermeidung womöglich lieber mit DPP-fähigen Lieferanten. Zudem erschließen DPP-fähige Unternehmen leichter neue, anspruchsvolle Märkte, in denen Kunden detaillierte Informationen erwarten (z. B. Skandinavien, Deutschland): Der digitale Pass erleichtert es, lokale Erwartungen an Umweltkennzeichnungen zu erfüllen. Und wer den DPP früh einführt, sammelt wertvolle Erfahrung und optimiert Prozesse vor der Konkurrenz. Das zahlt sich später unter dem vollen Rechtsrahmen aus.
  • Bessere Zusammenarbeit in Lieferkette und Geschäftsumfeld: PXM, das Daten in den DPP einbindet, erleichtert den Informationsaustausch mit B2B-Partnern. Digitale Produktpässe nutzen nicht nur Verbraucher, sondern auch Lieferanten, Subunternehmer oder Recyclingbetriebe: Jede berechtigte Stelle kann den benötigten Teil der Produktdaten abrufen. Ein Komponentenhersteller erhält zum Beispiel Rückmeldung vom Abnehmer, wie sich sein Teil im Endprodukt bewährt (z. B. Ausfallraten), und ein Recyclingunternehmen erhält Daten, die die Materialrückgewinnung erleichtern. Diese Transparenz der Lieferkette fördert wirksamere und widerstandsfähigere Partnernetzwerke. Unternehmen, die Produktinformationen geordnet verwalten (PXM) und diese Daten einfach teilen können (DPP), gelten als wertvolle Partner. Zudem fällt die Teilnahme an Nachhaltigkeitsprogrammen (z. B. Initiativen für „grüne Lieferketten“) leichter, wenn harte Daten aus den Pässen vorliegen. Auch das ist ein weicher, aber realer Wettbewerbsvorteil. Ein Unternehmen, das seine Daten geordnet hat und teilen kann, steigt leichter in innovative Projekte und Branchenallianzen ein.

Zusammengefasst bringt die Verbindung von PXM und DPP eine Reihe von Synergien. Bessere Prozesse und Daten steigern die Effizienz und senken die Kosten. Transparenz und bessere Daten stärken das Kundenvertrauen und verringern Verluste (z. B. durch Retouren). Und die Erfüllung der regulatorischen Anforderungen wird zum Fundament für den Wettbewerbsvorteil einer verantwortungsvollen, innovativen Marke. Ein Branchenbericht hält fest, dass digitale Produktpässe Marken helfen, das Vertrauen der Verbraucher zu stärken und sich beim Thema Nachhaltigkeit abzuheben. Das kann den Markenwert erhöhen und einen Marktvorteil verschaffen. Letztlich minimiert eine Investition in PXM nicht nur Compliance-Risiken, sondern maximiert auch die Geschäftschancen, die der Wandel zu mehr Transparenz und Verantwortung eröffnet.

Herausforderungen und Best Practices bei der PXM-Einführung für den EU-DPP

Die Vorteile einer Verbindung von PXM-Strategie und DPP-Anforderungen sind groß, doch die Umsetzung bringt erhebliche Herausforderungen mit sich. Unternehmen müssen sich technologisch, prozessual und kulturell vorbereiten, um den Wandel erfolgreich zu bewältigen. Im Folgenden zeigen wir die häufigsten Herausforderungen bei der Einführung von PXM-Systemen für die DPP-Compliance und Best Practices, mit denen Sie sie vermeiden oder abmildern.

1. Technologische Komplexität und Systemintegration: Der DPP kann einen Ausbau der bestehenden IT-Infrastruktur erfordern. Nötig ist eine Datenbank (ein Register), die detaillierte Daten zu jedem Produkt speichert und extern per QR-Code oder API bereitstellt. Für viele, vor allem kleinere Unternehmen ist der Aufbau einer solchen Infrastruktur ein großes Vorhaben. Best Practice ist es, fertige PIM- oder PXM-Lösungen vom Markt zu nutzen, statt alles selbst zu bauen. Moderne PIM-Plattformen im SaaS-Modell bieten Skalierbarkeit, Sicherheit und fertige Integrationen und senken so die technologische Einstiegshürde. Entscheidend ist auch eine reibungslose Integration des neuen Systems mit den bestehenden, z. B. die Anbindung des PIM an ERP, PLM, E-Commerce-System und weitere Datenquellen. Setzen Sie dafür auf Lösungen mit offener Architektur (API-first) und planen Sie im Projekt genug Zeit für die Integration ein (Datenmapping, Synchronisationsfrequenz usw.). Eine Pilotimplementierung mit wenigen Produkten oder in einer Abteilung hilft, Integrationsprobleme früh zu erkennen und die Architektur vor dem vollen Rollout zu verfeinern.

2. Standardisierung und Interoperabilität der Daten: Der DPP soll EU-weit einheitlich sein, also müssen Datenstandards eingehalten werden. Ist ein Unternehmen in mehreren Ländern tätig oder nutzt es mehrere Standards (z. B. eigene Kategoriecodes, unterschiedliche Maßeinheiten), kann das beim Zusammenführen der Daten Probleme verursachen. Die Herausforderung besteht darin, einen gemeinsamen Standard für die Produktbeschreibung zu schaffen, den alle Systeme akzeptieren. Best Practice ist es, sich an anerkannten Branchenstandards zu orientieren, etwa GS1-Standards (Global Trade Item Number und zugehörige Attribute) für Identifikation und Beschreibung von Produkten zu nutzen oder Empfehlungen aus ISO-Normen zum ökologischen Fußabdruck zu berücksichtigen. Verfolgen Sie die Leitlinien der Europäischen Kommission zu Datenaustauschformaten für den DPP. Wer das Datenmodell im PIM von Anfang an daran ausrichtet, erleichtert den späteren Austausch mit dem zentralen Register. In der Praxis kann das bedeuten, bestimmte Felder im PIM-System anzulegen (z. B. im EU-Format), bestimmte Vokabulare zu übernehmen (z. B. eine Materialliste mit Codes) oder eigene Kategorien auf EU-Kategorien zu mappen. Interoperabilitätstests, etwa die Prüfung, ob ein Datenexport aus dem PIM in einem anderen System einfach gelesen und interpretiert werden kann, zeigen, ob Sie auf dem richtigen Weg sind.

3. Datensicherheit und Datenschutz: Der Produktpass ist öffentlich zugänglich, doch das heißt nicht, dass alle Unternehmensdaten unkontrolliert offengelegt werden dürfen. Manche Informationen (z. B. detaillierte Materialrezepturen) können Geschäftsgeheimnisse sein. Hinzu kommt der Schutz der Systeme vor unbefugtem Zugriff oder Datenmanipulation. Die Sicherheit der PIM-Daten ist eine technische und eine organisatorische Herausforderung. Zu den Best Practices gehören streng definierte Zugriffsrichtlinien im PIM- bzw. DAM-System (wer darf was bearbeiten, wer gibt die Veröffentlichung frei), die Verschlüsselung sensibler Informationen und Authentifizierung und Autorisierung beim externen Datenaustausch. Das DPP-System kann zum Beispiel bestimmte Daten anonym für Verbraucher bereitstellen, vollständige Datensätze aber nur für berechtigte Stellen per API mit Zugriffsschlüssel. Beziehen Sie IT-Sicherheit und Compliance schon zu Projektbeginn ein, um zu bewerten, welche Daten öffentlich sein dürfen und welche Schutz brauchen. Manche Geschäftsdaten erscheinen im Pass vielleicht nur aggregiert oder gar nicht (wenn das Gesetz sie nicht verlangt). Entscheidend ist auch, Notfallpläne und Backups zu aktualisieren: Der Pass wird zu einem kritischen Bestandteil des Produkts. Das System, das ihn verwaltet, muss daher gesichert sein und sich nach einem Ausfall schnell wiederherstellen lassen.

4. Vollständige Daten von Lieferanten erhalten: Der DPP verlangt oft Daten, die das herstellende Unternehmen von seinen Lieferanten und Subunternehmern beschaffen muss (z. B. chemische Zusammensetzung von Materialien, CO₂-Fußabdruck von Komponenten, Lieferantenzertifikate). Das kann organisatorisch sehr anspruchsvoll sein: Informationen müssen in einer komplexen, globalen Lieferkette standardisiert und ausgetauscht werden. Best Practice ist es, Lieferanten früh in die Vorbereitung auf den DPP einzubinden. Sie können ihnen zum Beispiel eine Liste der benötigten Daten schicken und um Angaben in einem vereinbarten Format bitten oder ihnen Zugang zu Ihrem System geben (z. B. über ein mit dem PIM verbundenes Lieferantenportal, in dem der Lieferant die Daten zu seiner Komponente erfasst). Manche Unternehmen erwägen, die Pflicht zur Lieferung von DPP-Daten in neue Lieferantenverträge aufzunehmen. Wichtig ist, Lieferanten aufzuklären: warum diese Daten nötig sind und dass ohne sie das Produkt vom Markt ausgeschlossen werden kann. In globalen Lieferketten lohnt sich die Prüfung, ob Lieferanten in ihren Regionen ähnliche Vorschriften haben. Muss etwa ein Lieferant aus Asien beim Export in die EU ebenfalls den DPP erfüllen, profitieren beide Seiten von der Zusammenarbeit.

5. Widerstand gegen Veränderung und Engagement des Teams: PXM und neue Prozesse zur Datenerfassung bedeuten auch organisatorischen Wandel. Teams, die bisher in eigenen Informationssilos gearbeitet haben, müssen einen neuen, integrierten Ansatz lernen. Natürlicher Widerstand ist möglich: „Wozu diese zusätzlichen Felder im System?“ „Warum müssen wir so viele Daten erfassen, wenn wir sie bisher nicht gebraucht haben?“ Aufklärung und ein Wandel der Arbeitskultur sind hier unverzichtbar. Best Practice ist ein Schulungs- und Kommunikationsprojekt parallel zum IT-Projekt. Das Ziel sollte klar kommuniziert werden: „Wir führen den DPP ein, weil das Gesetz es verlangt und er unseren Vertrieb absichert. Er verbessert aber auch unsere Arbeit und verschafft uns einen Vorsprung vor der Konkurrenz.“ Entscheidend sind die Unterstützung durch die Geschäftsführung und der Rückhalt des Managements, damit DPP-Aufgaben Priorität erhalten. Regelmäßige Schulungen zum neuen PIM-System, Workshops zu neuen Abläufen (z. B. zum Informationsfluss in den Pass) und interne „Champions“ (Treiber des Wandels in den Abteilungen) helfen, anfängliche Vorbehalte zu überwinden. Zeigen Sie konkrete Erfolge, etwa dass ein Produkt dank des neuen Ansatzes schneller eingeführt oder ein Problem mit fehlenden Daten vermieden wurde. Sehen die Teams, dass die neuen Werkzeuge ihren Alltag erleichtern (und nicht nur zusätzliche Pflichten bringen), wächst die Akzeptanz. Praktiker betonen: Wenn das Team Ziele und Nutzen des DPP kennt, gelingt das Compliance-Management wirksam. Menschen müssen verstehen, warum sie etwas tun, nicht nur, was sie tun sollen.

6. Schrittweises Vorgehen und iterative Optimierung: Alle Aspekte des DPP für das gesamte Sortiment auf einmal anzugehen, kann überfordern. Best Practice ist ein iteratives Vorgehen mit einer Umsetzung in Etappen. Konzentrieren Sie sich zum Beispiel zuerst auf Produkte aus den Kategorien, die als Erste einen Pass brauchen (z. B. Elektronik, falls das Unternehmen sie herstellt). Bauen Sie für sie ein Datenmodell auf, sammeln Sie die Informationen und testen Sie die Erstellung der Pässe. Danach folgen weitere Produktgruppen. So ziehen Sie Lehren und verbessern Prozesse schrittweise. Wir vermeiden den typischen „Big Bang“-Fehler, bei dem alle Änderungen in letzter Minute vor der Frist 2026/2027 passieren, ein Rezept für Chaos und Stolpersteine. Der Umsetzungsplan sollte Zeitpuffer für Überraschungen enthalten (z. B. verspätete Daten von Lieferanten oder nötige Systemanpassungen). Gute Praxis ist auch, regulatorische Änderungen laufend zu verfolgen: Delegierte Rechtsakte für einzelne Produkte können die Anforderungen präzisieren. Sie müssen daher bereit sein, den Datenumfang oder die Darstellung der Informationen anzupassen. Ein PIM-System ist per Definition flexibel (neue Felder lassen sich leicht ergänzen), aber auch die internen Prozesse müssen schnell reagieren können.

Zusammengefasst erfordert PXM im Kontext des DPP einen ganzheitlichen Ansatz, der Technologie, Prozesse und Menschen umfasst. Der Schlüssel zum Erfolg: früh mit der Vorbereitung beginnen, mögliche Schwierigkeiten erkennen und bewährte Praktiken anwenden, von der Wahl der passenden IT-Werkzeuge über die Standardisierung und Absicherung der Daten bis zur Schulung des Teams und der engen Zusammenarbeit mit Partnern. Unternehmen, die diese Herausforderungen proaktiv angehen, bewältigen den Wandel eher ohne größere Störungen. Wer zögert, riskiert eine Compliance-Krise und einen hektischen Aufholwettlauf.

Fazit

Der Digitale Produktpass (DPP) der Europäischen Union setzt neue Standards für Transparenz und Verantwortung von Herstellern und Händlern. Für Unternehmen heißt das: Sie müssen eine Vielzahl von Daten zu ihren Produkten erfassen und bereitstellen, von Herkunft und Zusammensetzung über die Umweltwirkung bis zu Entsorgungshinweisen. Die Umsetzung dieser Anforderungen kann kompliziert wirken, doch der Ansatz Product Experience Management (PXM) bietet eine wirksame Lösung. Zentral organisierte, strukturierte Produktinformationen in PIM-, DAM- und MDM-Systemen ermöglichen es, die DPP-Pflichten effizient zu erfüllen und dabei Datenqualität und operative Effizienz im Griff zu behalten.

Mit einer PXM-Strategie können Unternehmen Compliance sichern und zugleich ihr eigenes Geschäft verbessern. Die Beispiele zeigen: Daten im Hinblick auf den DPP zu ordnen, führt zu besserer Zusammenarbeit im Unternehmen, weniger Fehlern und hochwertigeren Produktinhalten. Das bringt messbare Vorteile: zufriedenere Kunden, weniger Retouren und letztlich einen gestärkten Wettbewerbsvorteil. In einer Zeit wachsenden Verbraucherbewusstseins bauen Unternehmen, die strenge Transparenzanforderungen erfüllen, einen Ruf für Vertrauenswürdigkeit und soziale Verantwortung auf. Das kann sich direkt in den Geschäftszahlen zeigen. Den DPP zu ignorieren, ist dagegen keine Option: Wer ihn nicht erfüllt, riskiert den Ausschluss vom EU-Markt und ernste rechtliche Folgen.

Für Unternehmen, die den DPP mit PXM umsetzen wollen, gibt es einige Praxistipps. Erstens: Beginnen Sie mit einem Audit der Produktdaten. Klären Sie, welche Informationen Sie schon haben, welche fehlen und woher Sie sie bekommen. Zweitens: Investieren Sie in die richtigen Werkzeuge. Ein modernes PIM-System mit DAM-Integration ist fast unverzichtbar, um die Datenmenge zu bewältigen und ihre Qualität zu sichern. Drittens: Beziehen Sie alle Beteiligten ein, vom Einkauf (Kontakt zu Lieferanten) über F&E (technische Daten) und Marketing (Inhalte für Kunden) bis zur IT (Integrationen). Der DPP ist ein Querschnittsthema und erfordert interdisziplinäre Zusammenarbeit. Viertens: Schulen und informieren Sie. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Team die Bedeutung digitaler Produktpässe versteht und die neuen Arbeitsabläufe kennt. Und schließlich: Bleiben Sie auf dem Laufenden. Verfolgen Sie Mitteilungen der EU, Branchenwebinare und Dokumentation (z. B. technische Leitlinien zum DPP), denn die Vorschriften entwickeln sich weiter.

Der Digitale Produktpass der EU ist nicht nur eine Pflicht, sondern auch eine Chance für die digitale Transformation des Produktmanagements. Unternehmen, die die DPP-Einführung geschickt mit einer PXM-Strategie verbinden, starten mit besseren Daten, effizienteren Prozessen und einer stärkeren Position auf dem anspruchsvollen europäischen Markt in eine neue Ära. Kurz gesagt: Compliance und Wettbewerbsfähigkeit können Hand in Hand gehen, wenn man sie strategisch und vorausschauend angeht. Digitale Produktpässe sollen den Wandel zu einer nachhaltigeren und transparenteren Wirtschaft beschleunigen. Es lohnt sich, sie schon heute zu einem Teil Ihres Vorsprungs zu machen statt zu einem bloßen Häkchen auf der Liste. So sehen wir die kommenden Jahre nicht als regulatorische Last, sondern als Chance, das Produkterlebnis zu verbessern und das Unternehmen für den Markt der Zukunft zu stärken.

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